Mit den neuen Transparenzpflichten des EU AI Acts, die am 2. August 2026 in Kraft treten, rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie schaffen Unternehmen einen verantwortungsvollen Umgang mit AI? Für Christoph Bräunlich, Managing Director AI bei BSI Software, ist klar: Transparenz ist weit mehr als eine regulatorische Vorgabe – sie wird zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Im Interview spricht er über Ethik, Selbstbestimmung und die Zukunft der «Mensch-AI-Zusammenarbeit».
15.07.2026
EU AI Act: Transparenz als Chance
Wie Transparenz und Ethik den verantwortungsvollen Einsatz von AI prägen.
«Christoph, warum ist Transparenz beim Einsatz von AI mehr Chance als Pflicht?»
Wenn Unternehmen offenlegen, wann und wie AI eingesetzt wird, geben sie ihren Kundinnen und Kunden Orientierung und Sicherheit. Das stärkt die Glaubwürdigkeit einer Marke und kann zu einem echten Differenzierungsmerkmal werden. Wer langfristig zufriedene Kunden haben möchte, kommt um vertrauenswürdige AI nicht herum.
«Der Begriff "Trustworthy AI" wird oft verwendet. Was macht eine AI tatsächlich vertrauenswürdig?»
Für mich ist AI dann vertrauenswürdig, wenn sie unseren Werten entspricht, wie wir sie in unserem Code of Conduct festgehalten haben. Dazu gehört, Schäden zu vermeiden, Fairness sicherzustellen und die Selbstbestimmung der Menschen zu ermöglichen. Ebenso wichtig sind Transparenz und Verantwortung: Unternehmen müssen nachvollziehbar machen, wie AI eingesetzt wird, ihre Auswirkungen kritisch hinterfragen und Risiken aktiv minimieren – so, wie das BSI Software bei der Entwicklung von AI-Systemen tut. Vertrauen entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch den verantwortungsvollen Umgang mit ihr.
Vertrauenswürdige AI stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie respektiert Datenschutz, vermeidet Diskriminierung und lässt Raum für menschliche Kontrolle. Gerade Europa bringt hier eine besondere Perspektive ein: Wir setzen traditionell stärker auf Werte wie Datenschutz, Governance und Verantwortung. In einer Zeit, in der das Vertrauen in digitale Technologien immer wichtiger wird, kann genau dieser Ansatz zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
«Was bedeutet "AI Transparency" konkret im Unternehmensalltag?»
Transparenz bedeutet, Menschen nicht im Unklaren darüber zu lassen, wann sie mit AI interagieren oder AI-generierte Inhalte konsumieren. Das kann die Kennzeichnung eines AI-generierten Bildes sein, der Hinweis auf einen AI Agent im Kundenservice oder die Offenlegung, dass eine Nachricht automatisiert erstellt wurde. Transparenz bedeutet nicht, jede technische Einzelheit zu erklären. Es geht darum, Menschen die Informationen zu geben, die sie brauchen, um bewusst und selbstbestimmt agieren zu können. Befindet sich eine Kundin beispielsweise in der Warteschlaufe, sollte sie selbst entscheiden können, ob sie auf eine persönliche Beratung warten oder die schnelle Unterstützung durch einen AI Agent nutzen will.
«Transparenz ist mehr als eine regulatorische Vorgabe – sie wird zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal im Zeitalter der AI.»
«Sollten Unternehmen offenlegen, wann ihre Kundinnen und Kunden mit einer AI und nicht mit einem Menschen kommunizieren?»
Ja sicher, denn sie sollten wissen, mit wem oder was sie interagieren, um bewusst entscheiden zu können, wie sie kommunizieren möchten – wie das Beispiel mit der Warteschlaufe zeigt. Das bedeutet nicht, dass AI weniger wertvoll ist als menschliche Interaktion. Im Gegenteil: Viele Endkundinnen und Endkunden schätzen die schnelle und unkomplizierte Unterstützung durch AI Agents. In Zukunft werden Menschen zunehmend selbst entscheiden, wann sie die Effizienz eines AI Agent bevorzugen und wann sie bewusst den persönlichen Kontakt suchen. Diese Wahlfreiheit wird ein wichtiger Bestandteil einer guten Customer Experience.
«Kann eine AI-Anwendung gesetzeskonform sein und trotzdem das Vertrauen der Menschen verlieren?»
Absolut. Die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben ist die Mindestanforderung, Vertrauen muss man sich darüber hinaus verdienen. Eine AI-Anwendung kann alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen und trotzdem als intransparent, manipulativ oder unfair wahrgenommen werden. Verantwortungsvolle Unternehmen wie BSI Software stellen deshalb nicht nur die Frage: «Dürfen wir das?», sondern auch: «Sollten wir das tun?» Der EU AI Act ist für uns keine Hürde, sondern eine Chance. Er schafft Raum, AI-Anwendungen so zu entwickeln, dass sie nicht nur Risiken minimieren, sondern durch Transparenz, Verantwortung und digitale Ethik einen echten Mehrwert schaffen. Genau dort beginnt die ethische Dimension von «AI ready».
«Wie verändert AI die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine?»
AI wird vermehrt Aufgaben übernehmen, Prozesse beschleunigen und Mitarbeitende entlasten. Gleichzeitig gewinnen menschliche Fähigkeiten wie Empathie und Verantwortung an Bedeutung. Die Zukunft liegt deshalb nicht in einem «Human versus AI», sondern in einer intelligenten Zusammenarbeit in hybriden Teams. AI sollte Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Der Mensch muss die Richtung vorgeben, die Verantwortung tragen und die letzte Entscheidung treffen. Wir sprechen deshalb vom Human in the Lead und Human in the Loop. Beide Rollen sind wichtig und ermöglichen Co-Creation beziehungsweise Co-Working.
Sprich einfach mit uns
Wir sind jederzeit und sehr gern für dich da.