Storytelling – Von den Profis lernen: Teil 4

Beim Film sind es die Regisseure, die wissen, wie man eine Geschichte richtig in Szene setzt. Auch in Unternehmen braucht es Menschen, die die Regie übernehmen und den Überblick bewahren. In unserer vierteiligen Blogreihe begeben wir uns auf die Suche nach dem Geheimnis guter Geschichten und unterhalten uns mit drei Berufs-Storytellern. Teil 4 mit dem Regisseur und Co-Founder der Stories AG Tobias Fueter.

Meet the director

Tobias Fueter ist Regisseur, einer der Gründer der Schweizer Filmproduktionsfirma Stories AG – und Storyteller durch und durch. Als Regisseur bei Stories ist er verantwortlich für visuelle Filme und Digital Content wie dem Migros-Wichtelfilm. Mit seinem Team gewinnt er regelmässig nationale und internationale Awards.

Thriller, Science Fiction, Lovestory, Drama oder Action-film?

Wenn ich mich entscheiden muss: die Lovestory. Sie ist die Grundsätzlichste aller Erzählformen. In jeder Geschichte steckt eigentlich eine Liebesgeschichte drin – in welcher Form auch immer.

«Das Drehbuch ist das Allerwichtigste. Wenn die Geschichte stimmt, kann man eigentlich nicht viel falsch machen.»

Tobias FueterCo-Founder Stories AG

Welche Zutaten braucht es für eine gute Geschichte?

Erstens: Konflikt. Ohne Konflikt keine Story. Nummer zwei: Identifikation mit einer Figur, die mich durch die Story führt. Das heisst aber nicht, dass die Figur mir ähnlich sein muss. Pixar beweist immer wieder, dass man sich mit einem Fisch oder einem Roboter identifizieren kann. Und drittens: Struktur. Eine Geschichte muss präzise gebaut und perfekt strukturiert sein.

Auf eurer Website wirst du als Storyteller vorgestellt. Was ist für dich Storytelling?

Storytelling wird oft missverstanden. Es geht dabei nicht um Product Explaining, sondern um das Vermitteln von Emotionen. Storytelling kann helfen, eine Identität zu entwickeln, einen Brand zu definieren – es spricht das Herz an. Die erzählte Geschichte muss nicht zwingend realistisch sein, aber glaubwürdig. Passt die Geschichte zum Unternehmen, nimmt man sie ihm ab?

Hast du ein Beispiel für uns?

Ein gutes Beispiel ist Nike mit seiner Kampagne «Believe in more». Warum macht ein Sportartikelhersteller politische Werbung? Was hat das mit Turnschuhen zu tun? Nicht viel, aber man nimmt es Nike ab, weil die Botschaft und die Umsetzung in Einklang mit Nike’s jahrzehntealtem Markenkern steht.

Nike hat also alles richtig gemacht. Gibt es auch Negativbeispiele?

Man muss aufpassen, dass man ehrlich aus dem Markenkern erzählt und nicht verspätet auf Trends aufspringt, wie es zum Beispiel Gillette mit der Kampagne «The best man can be» passiert ist. Die hat einen Shitstorm ausgelöst, da Gillette seit 30 Jahren ein sehr klassisches Männerbild thematisiert und dann plötzlich: vom Mega-Macho zu #MeToo. Es ging hier einfach zu schnell.

Welche Aufgabe hat der Regisseur in einem Filmprojekt?

Als Regisseur führst du den Zuschauer durch das Geschehen, gibst Hinweise, manipulierst ihn ganz subtil. Dabei muss der Zuschauer das Gefühl haben, selbst die wichtigsten Dinge zu erkennen, gleichzeitig möchte er überrascht werden. Ohne Konflikt keine Auflösung am Ende, kein Happy End. Dafür muss der Regisseur sorgen.

Wie arbeitet das Dreiergespann aus Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler zusammen?

Der Film ist ein sehr visuelles Medium. Das heisst, egal wie gut eine Geschichte ist, sie muss in starken Bildern erzählt werden. Eine kollaborative und kreative Zusammenarbeit zwischen Drehbuch- autor und Regisseur ist also extrem wichtig. Das Drehbuch ist das Allerwichtigste. Wenn die Geschichte stimmt, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Drehbuchautoren bauen den Konflikt, legen den Grundriss. Der Regisseur baut damit das Haus, setzt die Akzente und verantwortet Casting, Schnitt, Bild und Musik usw. Schauspieler sorgen für Identifikation.

Ist der Schritt vom Spielfilm zum Werbefilm ein grosser?

Das ist vielleicht ein wenig ketzerisch, wenn ich sage: Das Handwerk ist sehr ähnlich. Klar, der Spielfilm ist der Marathon – und auch die Champions League, der Werbefilm hingegen der Sprint. Aber der ist auch nicht ohne. Es gibt kleine Kunstwerke in der Werbung, in denen in 90 Sekunden eine ganze Welt erzählt wird.

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