Storytelling – Von den Profis lernen: Teil 2

Das Kino macht vor, wie es geht: in 90 Minuten eine ganze Welt erzählen. Was mühelos wirkt, dahinter steckt viel Arbeit. Zentral dabei: das Dreiergespann aus Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler. In unserer vierteiligen Blogreihe begeben wir uns auf die Suche nach dem Geheimnis guter Geschichten und unterhalten uns mit drei Berufs-Storytellern. Teil 2 mit der Schweizer Autorin Laura de Weck.

Meet the playwright

Laura de Weck, Schweizer Autorin

Laura de Weck ist vielfach ausgezeichnete Theaterautorin, Schauspielerin und – ganz neu – auch Kritikerin beim «Literaturclub» des SRF. Sie ist als freie Autorin tätig und schreibt eine Kolumne für den «Tages-Anzeiger». 2017/18 war de Weck Stipendiatin der Münchner Drehbuchwerkstatt.

Bist du Autorin oder Schauspielerin?

Alles, was ich mache, hat mit Dialogen zu tun. Es kommt gar nicht so darauf an, ob ich die Dialoge spreche, spiele oder schreibe. Aber in erster Linie bin ich Autorin, Dialog-Autorin.

Was hat dich in die Welt des Dialogs geführt?

Das Stück «Kabale und Liebe» von Schiller, das wir in der Schule gelesen haben. Diese Dialoge! Ich wollte sie unbedingt laut sprechen.

Geschichten sind mächtig, weil …

sie von Beziehungen und Emotionen erzählen. Dem können wir uns nicht entziehen.

Welche Zutaten braucht es für eine gute Geschichte?

Man sagt, es braucht Wendepunkte, Konflikte, Emotionen. Aber ich bin keine gute Geschichtenerzählerin. Mich interessiert das Thema.

Die Stärken des Mediums Film?

Der Film bildet scheinbar Realität ab. Er arbeitet wenig mit Abstraktion. Dadurch steigt der Zuschauer direkt in das Geschehen ein und wird ganz davon eingenommen.

Und warum sollte man trotzdem ins Theater?

Weil Theater die Königsklasse ist. Theater vereint alle Kunstformen: Literatur, Kunst, Musik, Performance, Choreografie, Bild. Wenn alle Kunstformen ineinandergreifen, und man auch noch live dabei ist, kann es eine sinnliche Explosion sein.

Wo findest du Inspiration für deine Geschichten?

Ich finde sie, indem ich gut zuhöre. Ich habe ein Dialog-Tagebuch, und da kommt jeder Satz und Dialog rein, den ich aufschnappe und toll finde.

«Ohne Drehbuch kein Film. Ohne Herz, kein Mensch.»

Laura de WeckSchweizer Autorin

Die Autorin als Gesellschaftsbeobachterin. Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Empathie. Man muss sich in viele Figuren reindenken können. Und man muss diese Figuren lieben können, auch wenn sie Arschlöcher sind. Man muss überhaupt Menschen lieben.

Du arbeitest eng mit Regisseuren und Schauspielern zusammen. Wie dürfen wir uns diese Dreiecksbeziehung vorstellen?

Ich mache kaum Regieanweisungen in meinen Stücken. Damit werfe ich den Schauspielern und Regisseuren den Ball zu. Sie können mit ihm weiterspielen und die Leerstellen ausfüllen. Meistens bin ich bei den Proben kaum dabei und komme erst zur Premiere. Natürlich gibt es manchmal auch böse Überraschungen, aber die glücklichen überwiegen.

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