Uwes Testecke: Kampf gegen die Vegetabilen

All meinen Argumenten zum Trotz, fand das Gemüse dank meiner Frau den Weg in meine Küche. Doch wie bringe ich die Pelle von Karotte und Co? Mein einstiger Homeshopping-Schäler war keine grosse Hilfe. Nach langem Suchen in den Tiefen des Internets fand ich ihn aber. Den besten der besten. Der Schäler, vor der keine Karotte sicher ist. Und zudem Spass in der Küche bereitet.

Uwe Funk, BSI

Früher, als ich meine eigene kleine Höhle hatte, war kochen einfach und ich benötigte nur zwei Dinge: ein Messer und ein Hackbrett. Irgendwann war ich nicht mehr alleine in meiner Höhle und so kam es, dass es nicht mehr reichte, den grobschlächtig zerlegten Ochsen aufs offene Feuer zu legen. Nein, düstere Wolken zogen auf, der strahlende Kochhimmel schien zu schwinden – Schwefel und Feuer regneten vom Himmel herab und aus der Asche entwuchs das Böse: Gemüse.

Verlorener Kampf gegen Kohlrabi und Karotten

Man müsse das Gemüse zart behandeln, sagte meine Frau. Keinesfalls auf die weissglühenden Kohlen werfen, sondern im Dunst vom heissen Wasser garen. Die Vitamine gingen sonst verloren. Und schälen müsse man es, ergänzt sie noch. So ein Unsinn. Ich habe Eckzähne. Transversale Kaubewegungen sieht man eher bei Kühen, als bei Menschen. Ich hab auch nur einen Magen. Es wird in seiner Selbstverständlichkeit leicht übersehen: die Kuh, die ihren Weg über saftige Wiesen in unsere Bratpfanne gefunden hat, enthält durch ihre vegetarische Ernährung viele Vitamine – das reicht locker für uns. Man muss die Vitaminmenge nicht künstlich durch gedünsteten Kohlrabi aufblasen. Aber es kam, wie es kommen musste: Ich verlor den Kampf gegen Kohlrabi und Karotte.

Die Suche nach dem besten

Mein alter Sparschäler

Da stand ich nun mit den ungeschälten Vegetabilen. Natürlich habe ich einen Sparschäler – der war bei dem Brotbackautomaten dabei, der einst bei unterschiedlichsten Homeshopping-Kanälen feilgeboten wurde. Meine Euphorie legte sich doch schnell, als der Schäler nur unmotiviert an der Karottenhaut entlangschabte. Selbst mit Rasierschaum versagte der Schäler auf der Epidermis meiner Mohrrübe. Wie enttäuschend! So begab ich mich in die Tiefen des Internets und suchte nach dem besten.

Ich entdecke allerdings nur Austauschbarkeit und Beliebigkeit. Die Sparschäler-Marketeers sollten bei den Rasiererhersteller einen Schnuppertag einlegen. Nicht ein Sparschäler hatte einen coolen Namen wie «Mach 3 Turbo» oder «Titanium». Keine Klingen, die hinter Gitter müssen. Kein einziger Schäler erkennt die Feinheiten der Pelle. Die Klingen sind auch nicht auf hochsensiblen Federn gelagert. Doppelschwingachsen und Hydro Power Select finden sich ebenso wenig auf dem Markt. Ich war desillusioniert. Wie sollte ich mich entscheiden?

Schliesslich entschied ich mich für einen Schäler, der wenigstens seinen ergonomischen Griff und die gezackten Klingen für die hartnäckige Schale bewarb. In leuchtendem grün! Dann findet man ihn wenigstens gleich in der Schublade und das Fluchen beginnt nicht schon bei der Suche, sondern erst beim Schälen.

Neues Lieblingsgerät

Mein neuer Lieblingssparschäler von Victorinox

Aber was soll ich sagen? Hinter dem schlichten, grünen Werkzeug aus dem Hause Victorinox versteckt sich ein neues Lieblingsgerät. Und das, obwohl der Schäler weder einen USB-Anschluss noch einen Akku hat. Man muss sich nicht mal vor der Inbetriebnahme bei Victroinox registrieren und die Kreditkartenummer hinterlegen.

Er verarbeitet alle möglichen Arten von pflanzlichen Beilagen wie der Teufel. Ruckzuck sind aus einer Kartoffel kleine Würfel mit 2cm Kantenlänge geworden und aus den grössten Karotten entstehen blitzschnell schlanke Rübenstifte. Noch schnell die geschälten Kunstwerke im Dampf garen und anrichten: durch die hellgelben Kartoffeln, die knallig orangen Karotten und den cremefarbenen Sellerie wirkt die Mahlzeit ungewöhnlich bunt und das zufriedenen Lächeln meiner Frau lässt mein Herz aufgehen.

Gemüseschalen-Weitschiessen

Gemüseschalen-Weitschiessen in der heimischen Küche

Am meisten Spass macht natürlich das Gemüseschalen-Weitschiessen in der heimischen Küche: Wenn man mit dem Schäler schnell genug über eine Möhre fährt, schiesst die abgeschälte Haut regelrecht nach vorne. Auf dem Küchenboden haben wir nun – ähnlich wie beim Weitsprung – eine Markierung angebracht, von der wir die Karottenschälstücke so weit wie möglich durch die Küche fliegen lassen. Meine Frau hält den Rekord von 148 cm.

Fazit: Fantastisches Schälen mit Extra-Spass

Der Sparschäler ist fantastisch und sorgte schon für unglaublich viel Spass in der Küche. Speziell beim Weitschiessen muss man aber mit ein wenig Unordnung rechnen. Aber nichts, was ein Dampfreiniger nicht wieder hinbekommen würde. Vielleicht kann man so einen Dampfreiniger ja auch zum Gemüsekochen verwenden…

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Uwe Funk