Hey, erzähl mir eine Geschichte!

Die Welt ist voller Geschichten. Sie begegnen mir im Büro, wenn mein Kollege erzählt, wie waghalsig sein Ausflug in die Alpen am Wochenende war. Sie begegnen mir am Telefon, wenn ich eine weitere Entschuldigung höre, warum mein Sofa jetzt doch zwei weitere Monate in der Fertigung benötigt. Sie begegnen mir Zuhause, wenn meine Frau erzählt, wie abenteuerlich die Jagd nach der grünen Handtasche gewesen ist. Tag für Tag hören wir Geschichten. Einige bleiben ganz besonders im Gedächtnis, andere sind im nächsten Augenblick bereits vergessen.

Das Schlüsselwort, dass in diesem Zusammenhang immer fällt, ist Storytelling. Das Geschichtenerzählen wird seit Jahrhunderten gelebt. Mit den Geschichten wird Wissen und Lebenserfahrung weitergegeben. In vielen Unternehmen werden Geschichten eingesetzt, um die Traditionen, die Kultur und Wertevorstellungen nach innen und aussen zu tragen. In der internen Kommunikation werden Buyer Legends verwendet. Sie beschreiben, welche Hürden die eigenen Kunden überwinden mussten, ehe sie unsere Produkte kauften. Das hilft den Unternehmen, ihre Kunden besser zu verstehen und nutzbringender auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

«In der internen Kommunikation werden Buyer Legends verwendet, die beschreiben, welche Hürden die eigenen Kunden überwinden mussten, ehe sie unsere Produkte kauften. Das hilft, die Kunden besser zu verstehen.»

Uwe FunkSoftware Engineer und Geschichtenerzähler bei BSI

In jedem Unternehmen gibt es hunderte Geschichten, die sich darum drehen, was Mitarbeiter bei Kunden erlebten. Wie sie ins Fettnäpfchen traten oder sie dem Kunden nachhaltig helfen konnten. Wie einer auszog, um Wogen zu glätten und wie er strahlend zurückkam. Wie abenteuerlich die Fahrt bei schlechtem Wetter zum Lieferanten und wie überraschend das Verhandlungsergebnis war. Diese Geschichten prägen Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten. Sie haben eine starke Wirkung und sind greifbar. Jeder potenzielle Kunde identifiziert sich mit dem Kunden in der Geschichte. Jeder Mitarbeiter hört gerne, wie etwas zustande gekommen ist. Erzählt die Geschichten! Belohnt die Kunden. Belohnt die Mitarbeiter. Belohnt die Lieferanten. Sie alle sind es wert, dass ihre Geschichte erzählt wird.

Diese 5 Punkte machen eine Geschichte zu einer Geschichte

1. Geschichten haben immer einen Anfang und immer ein Ende.

Jede Geschichte hat einen zeitlichen Ablauf. Sie beginnt und sie endet. Zwischen Anfang und Ende liegen mehrere Ereignisse.

2. Geschichten erzählen von Veränderungen

Der Anfangszustand unterscheidet sich in wenigstens einem wesentlichen Merkmal vom Endzustand. Am Anfang sind die Israeliten die Sklaven des Pharaos und am Ende sind sie frei und im gelobten Land. Am Anfang läuft der Mörder frei herum und am Ende wird er geschnappt. Am Anfang schwimmt die Titanic und am Ende sinkt sie.

3. Jede Geschichte handelt von jemanden

In jeder Geschichte steht immer ein Mensch im Mittelpunkt. Ok, es kann ein grüner Oger, ein orange-weisser Fisch und manchmal auch eine Gruppe von Menschen sein. Aber es ist immer jemand bestimmtes, dessen Geschichte erzählt wird. Moses, Sherlock Holmes, Shrek, Nemos Papa oder die Avengers.

4. Geschichten beginnen mit einem Konflikt

Es gibt immer einen Konflikt, der die Geschichte ins Rollen bringt. Shrek geniesst sein beschauliches Leben in seinem Sumpf – bis alle Fabelwesen umgesiedelt werden. In seinen Sumpf. Prim und Peeta werden als Tribute von Distrikt 12 ausgewählt. Katniss kann nicht zulassen, dass ihre kleine Schwester Prim als Tribut in die Arena steigt. Das wäre Prims sicherer Tod.

5. Jede Geschichte weckt Emotionen

Man fühlt sich mit der Hauptfigur verbunden. Egal ob es Katniss, Shrek, John McClain, Sherlock Holmes oder gar Vito Corleone und Calligula sind. Man fiebert mit ihnen mit. Oft erkennt man sich in einigen Charakterzügen der Hauptfigur wieder. Das macht die Geschichte so schön greifbar, persönlich und sehr emotional.

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Uwe Funk